Siracusa & Ortigia: Was du wirklich sehen musst (und was du auslassen kannst)

Das Castello Maniace an der Spitze von Ortigia in Siracusa, mit Palmen und Meer im Vordergrund.
Foto: José Barbosa, via Pexels

Erste Verwirrung, die ich immer wieder erlebe: Siracusa und Ortigia sind nicht dasselbe. Siracusa ist die moderne Stadt, Ortigia ist die kleine Insel-Altstadt direkt davor, durch zwei kurze Brücken verbunden – und das ist der Teil, wegen dem die meisten Leute überhaupt herkommen. Wer nur einen Tag hat, kann die moderne Stadt komplett ignorieren.

Ein bisschen Geschichte, damit die Steine mehr erzählen

Ortigia ist der eigentliche Gründungskern: 734 v. Chr. landeten korinthische Siedler unter dem Adligen Archias auf der Insel und gründeten Syrakus. Die Stadt wurde so mächtig, dass sie im Peloponnesischen Krieg 415–413 v. Chr. eine gewaltige athenische Invasionsflotte vollständig vernichtete – eine der größten Niederlagen Athens überhaupt. Hier wurde auch Archimedes geboren, der Legende nach starb er 212 v. Chr., als die Römer die Stadt eroberten, erschlagen von einem Soldaten, während er angeblich mitten in eine geometrische Zeichnung im Sand vertieft war. Das erklärt, warum in Siracusa an jeder zweiten Ecke sein Name auftaucht.

Ortigia: die Altstadt auf der Insel

Ortigia lebt vom Gehen und Verlaufen – schmale Gassen, barocke Fassaden, und immer wieder ein Blick aufs Meer. Diese Punkte sind Pflicht:

Der Duomo steht auf der Piazza Duomo, einem der schönsten Plätze Siziliens, und ist buchstäblich um einen griechischen Athena-Tempel herumgebaut – die dorischen Säulen des Originaltempels sind noch in der Außenwand sichtbar. Eintritt: 2 €.

Die Fonte Aretusa, eine Süßwasserquelle direkt am Meer, voller Papyruspflanzen, ist kostenlos zu besichtigen und liegt genau richtig für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang.

Die Fonte Aretusa in Ortigia, Süßwasserquelle mit Papyruspflanzen direkt am Meer Foto: Giovanni Dall'Orto, via Wikimedia Commons

Das Castello Maniace, die Festung an der Südspitze der Insel (siehe Titelbild), rundet den Rundgang ab.

Am Mercato di Ortigia (werktags vormittags, an der Via Trento) lohnt sich ein Umweg auch ohne Einkaufsabsicht: Schwertfisch in ganzen Stücken, Seeigel in offenen Kisten, rote Garnelen aus Mazara del Vallo, dazwischen Marktschreier, die in breitem sizilianischem Dialekt ihre Ware anpreisen. Bester Ort, um vor dem Mittagessen noch ein Arancino oder eine Scaccia zu probieren.

Ein Geheimtipp, den viele Reiseführer auslassen: In der Giudecca, dem ehemaligen jüdischen Viertel im Herzen von Ortigia, liegt 18 Meter unter der Straße ein Miqwe (rituelles jüdisches Tauchbad) aus dem 6. Jahrhundert – erst 1991 bei Renovierungsarbeiten in einem Wohnhaus entdeckt und heute eines der besterhaltenen seiner Art in ganz Europa. Zu besichtigen im Keller des Residence “Alla Giudecca” (kleine Eintrittsgebühr, Führung empfehlenswert).

Die Neapolis: Theater, Steinbrüche, Ohr des Dionysios

Auf dem Festland, ein kurzes Stück von Ortigia entfernt, liegt der Archäologische Park Neapolis. Das Ticket (10 €, Ermäßigung 18–25 Jahre, kostenlos unter 18, jeden ersten Sonntag im Monat gratis) gilt für das gesamte Areal: das griechische Theater, das römische Amphitheater, die Latomie (antike Steinbrüche) und das berühmte Orecchio di Dionisio – eine über 20 Meter hohe, künstliche Höhle, benannt nach ihrer Ohrform und der Legende, dass der Tyrann Dionysios darin Gefangene belauschte, weil die Akustik jedes Flüstern verstärkt. Direkt daneben liegt die Latomia del Paradiso, ein ehemaliger Steinbruch, der heute ein üppiger Zitrus- und Lorbeergarten ist – nach der schroffen Hitze der Ränge im Theater eine willkommene schattige Pause.

Das griechische Theater von Siracusa im Archäologischen Park Neapolis Foto: Giovanni Dall'Orto, via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Museo Paolo Orsi: Pflicht für Regentage oder Geschichtsfans

Wer mehr will als nur Ruinen anschauen, sollte ins Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi (nahe der Villa Landolina) – eines der bedeutendsten archäologischen Museen Europas, mit über 27.000 Fundstücken von der Altsteinzeit bis in die frühchristliche Zeit. Weniger überlaufen als die Neapolis, komplett klimatisiert, und ein guter Plan B bei den seltenen Regentagen in Ostsizilien.

Baden nach den Ruinen: Fontane Bianche

Wer nach Tempeln und Katakomben noch Meer will, fährt gut 16 km südlich nach Fontane Bianche: rund 3 km feiner weißer Sandstrand, flaches, türkisfarbenes Wasser – benannt nach den Süßwasserquellen, die hier ins Meer münden. Mit Bus oder Auto in etwa 20–25 Minuten von Ortigia aus erreichbar, im Sommer an Wochenenden voll, unter der Woche deutlich ruhiger.

Anreise von Catania ohne Auto

Siracusa liegt etwa 49 km von Catania entfernt. Sowohl Bus (Interbus, ab ca. 5–6 €, Fahrzeit rund 1 Stunde 15 bis 1 Stunde 30) als auch Zug (ab ca. 9 €, ähnliche Fahrzeit) fahren mehrmals täglich direkt – hier brauchst du wirklich kein Auto, im Gegensatz zu den Nebrodi oder manchen Ätna-Routen. Mehr zum autofreien Reisen ab Catania in unserem Guide ohne Mietwagen.

Wie viel Zeit einplanen

Wer die Ticketpreise hier mit den Kosten für den Rest der Reise abgleichen will, findet Zahlen in unserem Reisekosten-Guide. Für Ortigia plus Neapolis reicht ein voller Tag, wenn du früh startest – die Latomie und das Theater werden ab Mittag heiß und voll mit Reisegruppen. Mit zwei Tagen kommen Museo Paolo Orsi und ein Nachmittag am Strand dazu, plus ein entspannter Abend an der Fonte Aretusa, wenn die Tagesausflügler schon wieder im Bus nach Catania sitzen und die Gassen sich leeren.

Was du auslassen kannst

Wenn die Zeit knapp ist: Die moderne Stadt Siracusa außerhalb von Ortigia bietet touristisch wenig – lieber die gesparte Zeit in einen zweiten Kaffee an der Fonte Aretusa investieren.