Sizilien: Praktische Reiseinfos
Bevor es um einzelne Städte geht, kommen bei den meisten dieselben Grundfragen: Wann soll ich hinfahren, ist es wirklich sicher, muss ich Trinkgeld geben? Hier die ehrlichen Antworten, ohne Beschönigung und ohne unnötige Panikmache.
Wann am besten hinfahren
Die beste Reisezeit ist April bis Juni und September bis Oktober. In diesen Monaten liegen die Temperaturen meist bei angenehmen 18–25 °C, die Orte sind nicht überlaufen und die Preise spürbar niedriger als im Hochsommer. Im Juli und August klettern die Temperaturen regelmäßig über 30 °C, was Städtebesichtigungen und Wanderungen (etwa am Ätna) unangenehm machen kann – fürs Baden sind dagegen Juni und September ideal, weil das Meer dann schon bzw. noch warm ist, ohne die Gluthitze von Juli/August.
Zwischen den Städten unterwegs sein
Sizilien ohne Mietwagen zu bereisen funktioniert, erfordert aber etwas Planung. Ein paar reale Eckdaten:
- Catania–Taormina: mit dem Zug rund 45 Minuten (ca. 30 Verbindungen täglich, ab 6 €), mit dem Bus (Interbus) 70–115 Minuten je nach Verkehr.
- Catania–Palermo: mit dem Bus etwa 2,5 Stunden für rund 14 €, stündliche Abfahrten von 4 Uhr morgens bis 21 Uhr abends. Der Zug braucht hier deutlich länger (3,5–4,5 Stunden) und kostet mit 18–35 € auch mehr – auf dieser Strecke ist der Bus fast immer die bessere Wahl.
Grundsätzlich gilt: Busse sind zwischen den großen Städten oft schneller und günstiger als der Zug, innerhalb der Städte selbst (z. B. zum Ätna) ist der lokale Nahverkehr meist die einzige öffentliche Option.
Sicherheit: Mafia-Klischee versus Alltag
Diese Frage kommt fast immer, deshalb ehrlich: Für Touristen ist Sizilien im Alltag nicht gefährlicher als andere süditalienische Regionen. Die Mafia existiert nach wie vor als wirtschaftliches Problem im Hintergrund (Statistiken zeigen tatsächlich erhöhte Kriminalitätsraten in Provinzen wie Catania und Palermo, die im landesweiten Vergleich im oberen Drittel liegen), aber das betrifft praktisch nie Touristen direkt – organisierte Kriminalität spielt sich nicht auf offener Straße vor Reisenden ab. Die international verbreitete Wahrnehmung ist deutlich dramatischer als das, was man als Besucher tatsächlich erlebt. Normale Vorsicht wie in jeder größeren italienischen Stadt (Taschendiebstahl in belebten Zonen, Wertsachen im Auto sichtbar liegen lassen) reicht völlig aus.
Trinkgeld und der "coperto"
Trinkgeld ist in Italien weder üblich noch erwartet – anders als in Deutschland oder den USA denken viele Reisende, sie müssten aufrunden, aber Servicekräfte rechnen nicht damit. Was stattdessen fast überall auf der Rechnung auftaucht, ist der "coperto" – eine Pauschale fürs Tischdecken, meist zwischen 1 und 2 €, in touristischen Lagen gelegentlich mehr. Das ist legal, solange es auf der Karte oder am Eingang ausgewiesen ist, und keine versteckte Abzocke, auch wenn es viele nordeuropäische Gäste zunächst irritiert. Wer trotzdem etwas dalassen möchte, rundet einfach auf den nächsten Euro oder Fünfer auf.
Öffnungszeiten: die Mittagspause ist real
Viele Geschäfte (nicht alle, aber die meisten außerhalb der großen Einkaufszentren) schließen mittags zwischen etwa 13 und 15:30 Uhr. Das gilt besonders in kleineren Orten und in der Nebensaison – wer mittags shoppen will, sollte einen Plan B einplanen oder gezielt in ein Einkaufszentrum ausweichen, die durchgehend geöffnet haben. Restaurants öffnen abends oft erst ab 19:30 oder 20 Uhr zum Abendessen, deutlich später als in Deutschland üblich.
Sprache: Wie viel Englisch wird gesprochen?
Ehrlich gesagt: weniger, als viele erwarten. In den touristischen Hotspots (Taormina, Zentrum von Palermo und Catania) kommt man mit Englisch meist gut durch, aber schon eine Straße weiter oder in kleineren Restaurants abseits der Touristenrouten wird es dünn. Ein paar italienische Grundfloskeln ("grazie", "per favore", "quanto costa?") helfen enorm und werden mit spürbar mehr Freundlichkeit honoriert.
Notrufnummer
Die europaweite Notrufnummer 112 funktioniert auch in Sizilien und leitet an Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr weiter – mit Dolmetscher-Service in mehreren Sprachen bei Bedarf. Diese Nummer merken, das reicht für alle Notfälle.