Pesto alla Trapanese – die Original-Version mit Busiate

Busiate mit Pesto alla Trapanese auf einem roten Teller, garniert mit einem Basilikumblatt – die grobe, rötliche Sauce aus Tomaten und Mandeln liegt sichtbar stückig auf der Pasta.
Foto: 8w9d, via Wikimedia Commons (Wiki Loves Sicilia, CC0)
Vorbereitung15 min
Kochzeit12 min
Gesamtzeit27 min
4 Portionen

Zutaten

Bevor irgendjemand fragt: Nein, das hat mit dem grünen Pesto aus Genua nur die Idee gemeinsam, nicht das Rezept. Pesto alla Trapanese entstand im 16./17. Jahrhundert im Hafen von Trapani, als genuesische Seeleute ihr Pesto mitbrachten und die Einheimischen es mit dem umsetzten, was auf Sizilien wächst: reife Tomaten, Mandeln aus Avola, roter Knoblauch aus Nubia bei Paceco, Pecorino und Basilikum. Der ursprüngliche Name war schlichter und direkter: “Pasta cu l’agghia pistata” – Pasta mit gestoßenem Knoblauch.

Wie bei der Pasta alla Norma ist auch dieses Gericht ganz natürlich vegetarisch – keine Anpassung nötig, das Original kommt ohne Fleisch und Fisch aus.

Der Mörser ist kein Detail, sondern der Punkt

Das Original wird im Mörser (mortaio) zubereitet, nicht im Mixer. Das ist keine Nostalgie-Attitüde, sondern hat einen echten Grund: Beim Stoßen werden Mandeln und Knoblauch gequetscht statt durchgehäckselt, dadurch bleiben kleine, spürbare Stücke erhalten und die ätherischen Öle treten langsamer und gleichmäßiger aus. Ein schnelldrehender Mixer erhitzt die Masse leicht und macht sie zu einer homogenen Creme – das Ergebnis schmeckt dann eher nach Mandelpaste als nach der körnigen, frischen Sauce, die Pesto alla Trapanese eigentlich sein soll.

Zubereitung

Mandeln und Knoblauch: Mit einer Prise grobem Salz im Mörser stoßen, bis kleine, noch erkennbare Stücke entstehen. Das Salz wirkt dabei wie Schleifpapier und hilft, alles gleichmäßig zu zerkleinern.

Basilikum: Blätter dazugeben (nicht schneiden, das Stoßen übernimmt das) und weiterarbeiten, bis eine grobe, stark duftende Paste entsteht.

Tomaten: Kurz blanchieren, häuten, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Unter die Mandel-Knoblauch-Basilikum-Paste rühren – hier reicht Rühren statt Stoßen, die Tomaten sollen nicht komplett zerfallen.

Fertigstellen: Reichlich Olivenöl unterrühren, bis eine dickliche, aber gießbare Sauce entsteht, mit Salz abschmecken. Busiate al dente kochen, mit der Sauce vermengen (kalt, ohne Erhitzen der Sauce – das ist der zweite Punkt, an dem sich Trapanese-Pesto vom warm servierten Norma-Sauce unterscheidet) und mit reichlich geriebenem Pecorino bestreuen.

Warum ausgerechnet Busiate

Busiate sind eine hausgemachte Pastaform aus Westsizilien, ursprünglich um einen Schilfhalm (“buso” im sizilianischen Dialekt) gewickelt und dadurch spiralig-hohl. Diese Form ist kein Zufall: Die Windungen fangen die stückige Sauce viel besser ein als glatte Nudeln, bei denen Mandelstücke und Tomatenwürfel einfach abrutschen würden. Wer keine Busiate bekommt, greift am besten zu Fusilli oder Casarecce – beide haben aus demselben Grund genug Struktur für die Sauce.

Der häufigste Fehler

Viele Rezepte außerhalb Siziliens pürieren die Sauce komplett glatt im Mixer und nennen das Ergebnis trotzdem “Pesto alla Trapanese”. Das Ergebnis ist geschmacklich nicht falsch, aber strukturell ein anderes Gericht – die ganze Idee der Sauce ist der Kontrast zwischen cremiger Tomate und knackigen Mandelstücken, nicht eine homogene Paste.

Wein dazu

Ein kühler, trockener Weißwein von der Westküste passt am besten – ein Grillo oder Catarratto, beides einheimische Rebsorten aus der Gegend um Trapani. Ihre Frische gleicht die Süße der Tomaten und die Öligkeit der Mandeln gut aus, ohne den Knoblauch zu überdecken.

Häufige Fragen

Muss ich wirklich einen Mörser benutzen?

Für das Original ja – der Mörser zerdrückt Mandeln und Knoblauch, statt sie zu zerhäckseln, dadurch bleiben kleine Stücke erhalten und die ätherischen Öle treten anders aus als beim schnelldrehenden Mixer. Wer's eilig hat: ein Mixer mit kurzen Pulsstößen kommt nah dran, ein Standmixer auf Dauerstufe macht die Sauce zu fein.

Was ist, wenn ich keine Busiate finde?

Busiate sind eine typische Spezialität aus Trapani und außerhalb Siziliens schwer zu bekommen. Fusilli oder Casarecce sind die nächstliegenden Alternativen, weil ihre Form die stückige Sauce ähnlich gut aufnimmt.

Kann ich die Tomaten ungeschält lassen?

Traditionell werden sie gehäutet, damit die Sauce nicht durch Schalen unangenehm faserig wird. Kurz in kochendem Wasser blanchieren, dann lässt sich die Haut leicht abziehen.

Wie lange hält sich das Pesto?

Im Kühlschrank, mit einer Schicht Olivenöl bedeckt, 2–3 Tage. Wegen der frischen Tomaten ist es nicht so lange haltbar wie klassisches Pesto genovese ohne Tomaten.