Trapani: Saline, Altstadt und die Fähre nach Favignana

Wenn ich Freunden aus Catania erzähle, dass ich ein paar Tage in Trapani war, kommt fast immer die gleiche Reaktion: “Ach, das liegt doch am anderen Ende der Insel.” Stimmt, und genau deshalb wird die Stadt von den meisten Sizilien-Reisenden übersprungen, obwohl sie eine der wenigen Ecken ist, wo man an einem Nachmittag Salinen, eine mittelalterliche Bergstadt und die Abfahrt zu den Ägadischen Inseln unter einen Hut bringt. Wer im Westen der Insel unterwegs ist, sollte Trapani nicht nur als Fährhafen behandeln, den man schnell hinter sich bringt.
Die Saline di Trapani: kein Ticket nötig, aber Timing entscheidet
Die Riserva Naturale Saline di Trapani e Paceco zieht sich südlich der Stadt an der Straße nach Marsala entlang, direkt am Meer. Das Besondere: Man braucht keine gebuchte Tour, um dort zu spazieren. Die Straße, die an den Salzbecken vorbeiführt (die alte Via Salinara, heute Teil der SP21), ist öffentlich zugänglich, und man kann zu Fuß oder mit dem Rad an den Becken entlanglaufen, vorbei an den historischen Windmühlen, ganz ohne Eintritt. Nur für die geführten Touren des WWF, der die Kernzone der Reserve verwaltet, muss man online buchen – die sind aber eher etwas für Vogelbeobachter, die genau wissen wollen, wo gerade die Flamingos stehen.
Das Museo del Sale sitzt in einer restaurierten Mühle aus dem 19. Jahrhundert, der Mulino Maria Stella, und zeigt altes Werkzeug der Salzgewinnung – 20 bis 30 Minuten reichen dafür. Der eigentliche Grund, warum man herkommt, ist ohnehin das Licht: In der Stunde vor Sonnenuntergang verwandeln sich die Salzbecken in Spiegel, die den Himmel in Rot- und Orangetönen zurückwerfen , während die Mühlen sich als Silhouetten davor abzeichnen. Zwischen Juli und September lässt sich beim Vorbeigehen zudem echte Salzernte beobachten, mit den charakteristischen weißen Salzbergen neben den Becken. Wer keinen Mietwagen hat: Stadtbusse Richtung Nubia/Paceco halten an der Reserve, aber ein Taxi für die rund 15 Minuten von der Altstadt ist unkompliziert und zu zweit oder dritt meist nicht teuer.
Die Altstadt: eine Halbinsel in Form eines Fischerhakens
Trapanis Centro Storico liegt auf einer schmalen Landzunge, die sich wie ein Fischerhaken ins Meer krümmt – deshalb nannten die Griechen die Stadt Drepanon, “Sichel”. Die Fußgängerzone zieht sich über gut 800 Meter durch drei Hauptstraßen: Via Garibaldi, Via Torrearsa und Corso Vittorio Emanuele. Via Garibaldi, im 18. Jahrhundert von den Aragonesen angelegt und auch Rua Nova genannt, ist die schönste der drei – gesäumt von Kirchen und Palazzi, abends voller Restaurants, die ihre Tische auf die Straße stellen.
Am westlichen Ende der Halbinsel, an der Torre di Ligny, trifft man auf den Punkt, wo sich das Tyrrhenische und das Mittelmeer optisch berühren, mit Blick auf die Ägadischen Inseln am Horizont. Wer noch einen Tag mehr Zeit hat, findet in unserem Kostenüberblick für eine Woche Sizilien auch Richtwerte, was Unterkunft und Verpflegung in einer weniger touristischen Stadt wie Trapani im Vergleich zu Taormina oder Catania kosten.
Ein Punkt, der in den meisten Blogs fehlt, weil er nicht sonderlich fotogen ist, aber kulturell wichtig: Trapani veranstaltet am Karfreitag die Processione dei Misteri, eine 24 Stunden ununterbrochene Prozession mit zwanzig lebensgroßen Passionsgruppen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, seit 1612 von den Zünften der Stadt getragen. Wer zufällig zu Ostern hier ist, sollte sich das nicht entgehen lassen – eines der ältesten durchgehend gefeierten religiösen Ereignisse Europas.
Erice: die Bergstadt über Trapani, zehn Minuten mit der Seilbahn
Von der Altstadt aus sieht man ihn ständig: den Monte Erice, 751 Meter hoch, mit dem mittelalterlichen Städtchen gleichen Namens auf der Spitze. Die Funivia Trapani-Erice bringt einen in etwa zehn Minuten dort hoch, mit Panoramablick auf die Saline und die Ägadischen Inseln unterwegs. Ein Rückfahrticket kostet 11 Euro, einfach 6,50 Euro , und die Kabinen sind klimatisiert, was im Sommer kein Detail ist.
Bei den Öffnungszeiten lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Website, weil sie nach Wochentag und Saison variieren – grob gilt: dienstags bis donnerstags ab 8:30 Uhr, freitags bis sonntags sowie an Feiertagen ab 10 Uhr, montags erst ab 14 Uhr. Oben reicht ein halber Tag für die engen Gassen, den Dom und die Aussicht vom Castello di Venere – nicht in der Mittagshitze hochfahren, sondern eher spätvormittags oder zum Sonnenuntergang, dann ist es spürbar kühler als unten in Trapani.
Die Fähre zu den Ägadischen Inseln: Favignana in 30 Minuten
Der eigentliche Grund, warum die meisten Reisenden überhaupt nach Trapani kommen, ist der Hafen. Liberty Lines betreibt die Tragflächenboote zu den drei Ägadischen Inseln – Favignana, Levanzo und Marettimo – direkt vom Stadthafen aus, nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. Nach Favignana, der größten und meistbesuchten Insel, dauert die Überfahrt nur rund 30 Minuten , mit bis zu einem Dutzend Verbindungen täglich in der Hochsaison, die erste gegen 6:30 Uhr, die letzte gegen 21 Uhr. Ein einfaches Ticket liegt grob zwischen 12 und 15 Euro, je nach Saison und Vorlaufzeit der Buchung – ich würde in den Sommermonaten trotzdem online vorbuchen, weil die Boote an guten Tagen wirklich voll werden.
Levanzo, die kleinste der drei, ist kaum länger unterwegs und lohnt sich, wenn man Ruhe statt Strandtrubel sucht; Marettimo liegt am weitesten draußen und braucht eher einen ganzen Tag. Für einen Tagesausflug ab Trapani ist Favignana die realistischste Wahl – Fahrräder sind vor Ort leihbar (die Insel ist komplett flach), damit lassen sich in wenigen Stunden mehrere der türkisblauen Buchten wie Cala Rossa abklappern.
Anreise nach Trapani: von Palermo machbar, von Catania ein eigenes Projekt
Von Palermo aus ist Trapani ein unkomplizierter Ausflug oder Zwischenstopp: Die Busse von Segesta Autolinee brauchen je nach Linie zwischen etwa 1,5 und 2 Stunden, Tickets kosten ab rund 6 bis 9 Euro , mit sehr dichtem Takt tagsüber. Wer schon in Palermo Station macht, findet in unserem Palermo-Regionsüberblick weitere Optionen für die Küste im Westen.
Von Catania aus sieht die Rechnung anders aus: Die Strecke ist rund 234 Kilometer lang, der schnellste Bus braucht etwa 4,5 Stunden, der Zug mit Umstieg sogar deutlich länger, weil es keine direkte Zugverbindung gibt . Das ist kein Ausflug, den man von Catania aus an einem Tag macht – realistisch ist Trapani nur, wenn man ohnehin im Westen der Insel unterwegs ist oder bereit ist, einen ganzen Reisetag dafür zu opfern. Wer seine Route plant, baut es besser als eigene Station ein statt als Tagesausflug, und denkt in der Packliste für Sizilien an bequeme Schuhe fürs Kopfsteinpflaster in Erice.
Was wirklich lohnt und was man sich sparen kann
Wenn ich ehrlich bin: Man braucht für die Saline keine gebuchte Tour, für Erice keinen ganzen Tag und für Favignana keine Übernachtung, wenn die Zeit knapp ist. Was sich dagegen wirklich lohnt, ist genug Zeit für den Sonnenuntergang an den Salinen einzuplanen, statt sie nur im Vorbeifahren zu sehen – das ist der Moment, wegen dem die meisten Fotos entstehen, die man vorher online gesehen hat. Zwei volle Tage reichen, um Altstadt, Salinen, Erice und einen Inselausflug unterzubringen, ohne zu hetzen. Wer nur einen Tag hat, sollte sich zwischen Erice und Favignana entscheiden, nicht beides erzwingen wollen.