Die Kathedrale von Palermo: Das Gebäude, das viermal die Religion wechselte

Die meisten Kathedralen haben einen Baustil, vielleicht zwei, wenn der Bau Jahrhunderte gedauert hat. Die von Palermo hat mindestens vier, übereinandergestapelt auf eine Weise, die eigentlich nicht funktionieren dürfte, es aber irgendwie doch tut — und der Grund steht in der eigenen Geschichte des Gebäudes geschrieben: Dieser Ort wurde von fast jeder Macht umkämpft, die je Sizilien kontrollierte.
Von der Kirche zur Moschee und wieder zurück
Die heutige Kathedrale wurde 1185 unter Erzbischof Walter Ophamil errichtet, an der Stelle einer früheren byzantinischen Kirche, die Siziliens arabische Herrscher im neunten und zehnten Jahrhundert zur Hauptmoschee der Stadt umgebaut hatten. Als die Normannen 1072 Palermo einnahmen, holten sie den Ort schließlich für den christlichen Gottesdienst zurück und errichteten das Bauwerk, dessen Grundgerüst bis heute steht — doch der arabische Einfluss auf Können und Stil der lokalen Baumeister verschwand nie wirklich. Deshalb wirkt das Äußere bis heute unverkennbar arabisch-normannisch: Spitzbögen, verschlungene geometrische Muster, und die zinnenbewehrte Dachlinie, die eher an eine Festung als an eine Kirche erinnert.
Die Kuppel, die nicht zum Rest passt
Wenn das Gebäude auf den ersten Blick leicht uneinheitlich wirkt, ist das keine Täuschung — die große neoklassizistische Kuppel wurde erst in den 1780er-Jahren hinzugefügt, fast sechshundert Jahre nach dem ursprünglichen Bau, im Rahmen eines Umbaus unter der Leitung des Architekten Ferdinando Fuga. Das ist eine wirklich andere architektonische Sprache, gepfropft auf eine mittelalterliche arabisch-normannische Hülle, und je nachdem, wen man fragt, ist es entweder ein unglücklicher Eingriff aus dem 18. Jahrhundert oder genau das, was dem Gebäude seine markante Silhouette gibt. So oder so ist das ein Grund, warum die Kathedrale je nach Blickwinkel wie mehrere verschiedene Gebäude aussieht.
Königliche Gräber im Inneren
Im Inneren bergen die Seitenkapellen etwas, das die meisten Besucher nicht erwarten: die tatsächlichen Gräber sizilianischer Könige des Mittelalters, darunter König Roger II. (der normannische König, der Sizilien einte), Kaiser Friedrich II. und Konstanze von Aragon. Das sind keine Nachbildungen oder leeren Monumente — es sind die echten Porphyr- und Marmorsarkophage, vor Jahrhunderten aus der älteren Kathedrale von Cefalù hierher gebracht. Die Schatzkammer, gegen ein kleines separates Ticket zugänglich, beherbergt die tatsächliche Kaiserkrone von Konstanze von Aragon, aus ihrem Grab geborgen.
Was das für einen Besuch bedeutet
Der Zugang zum Hauptschiff und den königlichen Gräbern ist kostenlos; die Dachterrassen, die Krypta und die Schatzkammer erfordern jeweils ein kleines separates Ticket, das an einem Schalter im Inneren verkauft wird. Wer über das Hauptschiff hinaus nur für eine Sache Zeit hat: Die Dachterrassen lohnen sich — man geht dieselben zinnenbewehrten Mauern entlang, die man vom Garten draußen sieht, mit einem Nahblick auf Fugas Kuppel und einem weiten Blick über Palermos Dächer bis zu den Bergen.
Als Teil des größeren UNESCO-Welterbes “Arabisch-normannisches Palermo und die Kathedralen von Cefalù und Monreale” passt die Kathedrale gut zu einem Besuch der Altstadtviertel Palermos — siehe den Palermo-Viertel-Guide für eine passende Unterkunft in der Nähe, oder kombinier die ganze UNESCO-Route mit den Mosaiken von Monreale, 30 Minuten mit dem Bus entfernt.
Praktische Tipps für den Besuch
Kleiderordnung: Das ist immer noch eine aktive Kirche, kein reines Denkmal — Schultern und Knie bedeckt, ohne Ausnahme, und das wird am Eingang zu belebten Zeiten tatsächlich kontrolliert. Ein leichtes Tuch in der Tasche lohnt sich, gerade wenn man an dem Tag mehrere Kirchen besucht.
Wann hingehen: Früh morgens, direkt nach der Öffnung, ist die einzige echte Möglichkeit, das Hauptschiff ohne eine Wand aus Reisegruppen vor den königlichen Gräbern zu sehen. An Kreuzfahrtschiff-Tagen (Hafenzeitplan checken, wenn man in der Nähe der Via Vittorio Emanuele ist) wird die Menge ab dem späten Vormittag spürbar dichter. Der Eintritt ist ohnehin kostenlos — was hilft, wenn man das Budget im Blick behält, siehe unseren Palermo-Budget-Check für den Rest der Kosten.
Tickets kaufen: Das Ticket für die Dachterrasse hat ein Kontingent und manchmal eine feste Einlasszeit, besonders im Sommer — am besten gleich bei Ankunft kaufen statt es sich für später aufzuheben, sonst können die Zeitfenster des Tages schon vergeben sein.
Was die meisten Guides auslassen: Die meisten fotografieren die Fassade und gehen direkt an den königlichen Gräbern vorbei, ohne zu merken, was sie da sehen — es gibt kaum Beschilderung, die darauf hinweist, dass Roger II. und Friedrich II. tatsächlich dort liegen. Nach den dunklen Porphyr- und roten Sarkophagen in den Kapellen gleich rechts hinter dem Eingang Ausschau halten.