Gole dell'Alcantara: Statt 30 € Aufzug lieber die 2-€-Treppe nehmen

Hohe schwarze Basaltsäulen ragen auf beiden Seiten der Alcantara- Schlucht in Sizilien auf, mit einem türkisfarbenen Fluss, der durch den engen Schluchtboden fließt.
Foto: Daniele Bellia

Die Gole dell’Alcantara sehen aus wie kein anderer Ort in Sizilien: eine schmale schwarze Basaltschlucht, entstanden dort, wo ein Lavastrom des Ätna vor Jahrtausenden auf den Fluss Alcantara traf und beim Abkühlen zu hohen, fast geometrischen Gesteinssäulen zersprang. Die Schlucht liegt etwas außerhalb der üblichen Catania-Ecke — tatsächlich näher an Taormina —, ist den Umweg aber wert, für eine Landschaft, die nichts mit Barockstädten oder griechischen Ruinen zu tun hat.

Kurz beantwortet
  • 📍 Lage: zwischen Motta Camastra und Castiglione di Sicilia, Provinz Messina
  • Zeitbedarf: 1-2 Stunden am Hauptbecken, ein halber Tag mit Wanderung flussaufwärts
  • 🚗 Auto empfohlen: ja — Busoption vorhanden, im Sommer aber nur wenige Fahrten am Tag
  • 💶 Eintritt: ca. 2 € öffentlicher Eingang, bis zu ca. 30 € für das volle Privatpark-Erlebnis
  • ❄️ Wassertemperatur: ganzjährig kalt, auch im August
  • 👨‍👩‍👧 Für Kinder geeignet: ja, aber genau beaufsichtigen — die Steine unter Wasser sind uneben und rutschig

Warum das Gestein zu Säulen zersprang

Die annähernd sechseckigen Säulen sind nicht behauen oder gebaut — sie entstehen von selbst, wenn ein dicker Lavastrom langsam und gleichmäßig abkühlt. Beim Abkühlen zog sich das Gestein zusammen und zersprang dabei in ein wabenartiges Muster senkrechter Säulen — derselbe Prozess, der auch hinter dem Giant’s Causeway in Nordirland oder den Basaltschluchten Islands steckt. Hier hat der Fluss Alcantara später genau durch diesen erstarrten Lavastrom geschnitten und die Säulen im Querschnitt an beiden Schluchtwänden freigelegt — deshalb wirkt das Gestein fast zu geometrisch, um natürlich zu sein, statt vom Wasser geformt.

Zwei Eingänge, dieselbe Schlucht

Das ist das Detail, das für den Geldbeutel wirklich zählt. Es gibt zwei Zugänge: den öffentlichen städtischen Eingang (Scala Larderia), bei dem man über rund 80 Stufen für etwa 2 € hinabsteigt, und einen privaten “botanisch-geologischen Park”-Eingang, der einen Panorama-Aufzug, eine Multimedia-Ausstellung, einen Spray Park und Gummistiefel-Verleih dazu bietet — für rund 30 € beim vollen Erlebnis. Beide führen in dieselbe Schlucht. Wer bereit ist, Treppen zu laufen und auf die Extras zu verzichten, bekommt am öffentlichen Eingang denselben Canyon für einen Bruchteil des Preises.

Was man wirklich mitbringen sollte

Selbst im August ist der erste Schritt ins Wasser ein Schock — das fühlt sich nach Schmelzwasser aus den Bergen an, nicht nach warmem sizilianischem Meer, und es wird auch nicht angenehmer, je länger man drinsteht. Der Schluchtboden darunter ist zudem unebenes Gestein. Badeschuhe oder alte Sandalen, bei denen es nicht schlimm ist, wenn sie nass werden, machen einen echten Unterschied — viele waten barfuß hinein und bereuen es nach wenigen Minuten. Beim privaten Eingang ist der Stiefelverleih inklusive; am öffentlichen Eingang ist man auf sich gestellt, also entweder eigenes Schuhwerk mitbringen oder eher zuschauen als hineinwaten.

Mehr als nur das erste Becken

Die meisten Besucher bleiben am ersten breiten Becken beim Eingang, waten dort zwanzig Minuten herum und gehen wieder — dabei geht die Schlucht flussaufwärts weiter, und ein Weg oben am Rand lässt sich weiter folgen, ohne wieder ins kalte Wasser zu müssen. Gut zu wissen: Der Wasserstand kann nach Regen in den Bergen darüber schnell steigen, selbst an einem sonnigen Tag unten in der Schlucht — wenn das Wasser spürbar höher oder schneller wirkt als auf Fotos, die man vorher gesehen hat, ist das der Oberflächenabfluss aus den Bergen, keine Einbildung, und dann lieber nicht tief hineinwaten. Mit eigener Anreise lohnt sich das Bergstädtchen Castiglione di Sicilia nur wenige Minuten entfernt als Ergänzung: Weinberge mit Blick über das Alcantara-Tal, ganz ohne die Menschenmassen.

Beste Reisezeit

Der öffentliche Eingang hat saisonal geöffnet, ungefähr von April bis Oktober, mit Öffnungszeiten, die sich je nach Monat verschieben — länger im Juli und August, kürzer im Frühling und Oktober. Unabhängig von der Saison lohnt sich ein Wochentagmorgen: Ab dem späten Vormittag füllen Reisebusse die Schlucht, und am engen öffentlichen Zugang wird es im Sommer bis Mittag spürbar voll. Beim zweiten Mal wäre ich spätestens um 9:30 Uhr da — danach wächst der Andrang an der Eingangstreppe schnell, und das Becken selbst wirkt eher wie eine Warteschlange als wie eine Schlucht.

Anreise

Von Taormina aus sind es etwa 25 km ins Landesinnere — über Giardini Naxos und dann die SS185, ungefähr 25 Autominuten. Von Catania aus über die A18 Richtung Messina, Ausfahrt Giardini Naxos, dann die SS185, etwa eine Stunde (im Sommer mit mehr Verkehr entsprechend länger). Ohne Auto fährt Interbus saisonal vom Busbahnhof Taormina Richtung Francavilla di Sicilia mit einem Halt nahe der Schlucht — im Sommer einige Fahrten am Tag, rund 3 €, mit kurzem Fußweg vom Haltepunkt zum Eingang. Wer mehr will als ein paar Schritte ins Hauptbecken: diese geführte Trekking- und Bodyrafting-Tour ab Catania (Affiliate-Link — eine Buchung darüber kostet dich nichts extra und unterstützt diese Seite) führt weiter flussaufwärts als der öffentliche Eingang allein, inklusive Guide, Neoprenanzug und Helm.

Mein ehrliches Fazit

Wer nicht gezielt die Aufzugsfahrt hinunter oder die Multimedia-Ausstellung will, bekommt am öffentlichen Eingang genau das, weswegen man eigentlich herkommt: unten in einer schwarzen Basaltschlucht mit einem Fluss stehen. Die restlichen 28 € lieber ins Mittagessen in Taormina investieren.

Mehr zur Umgebung im Catania-&-Ätna-Regionsguide.

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