Catania ohne Auto: Ätna, Strände & Taormina per Bus/Zug

A breathtaking view of the Sicilian coastline from Taormina at sunset.
Foto: Aleksandar Petrov (Pexels)

Jedes Mal, wenn Freunde aus Deutschland fragen, ob sie für ein paar Tage in Catania unbedingt einen Mietwagen brauchen, sage ich dasselbe: nein, außer du willst ins Hinterland oder an entlegene Strände im Süden. Für Ätna, Meer und Taormina reichen Bus und Zug völlig – man muss nur wissen, wie das System hier tickt, weil es sich fundamental von deutschen ÖPNV-Gewohnheiten unterscheidet. Kein Google-Maps-Live-Tracking, keine Viertelstundentakte, dafür Busse, die pünktlicher sind, als man erwartet, wenn man den einen Trick kennt: früh da sein.

Zum Ätna: der AST-Bus ab Piazza Giovanni XXIII

Der einzige öffentliche Bus, der wirklich bis auf den Vulkan hochfährt, ist die Linie der AST (Azienda Siciliana Trasporti). Die Abfahrt ist von der Piazza Giovanni XXIII in Catania um 8:15 Uhr, die Rückfahrt vom Etna (Rifugio Sapienza) nach Catania um 16:30 Uhr . Das ist dieselbe Piazza, an der auch der Hauptbahnhof liegt – man kann also nicht viel falsch machen bei der Ankunft.

Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden , das Hin- und Rückfahrtticket kostet rund 6,60 Euro und wird direkt beim Fahrer bezahlt. Wichtig, weil es hier wirklich keiner sagt, bevor er selbst mal daneben stand: Es gibt nur diese eine Abfahrt am Tag, keine zweite, kein Nachmittagsbus zurück außer dem einen um 16:30 Uhr. Wer den verpasst, sitzt fest oder zahlt sich mit einem Taxi vom Berg runter arm. Und in der Hochsaison im Juli und August ist der Bus wirklich voll – ich würde spätestens um 7:45 Uhr an der Haltestelle stehen, nicht erst kurz vor 8:15 Uhr. Wer eine Haltestelle später als am Kopfbahnhof zusteigt, riskiert, dass schon eine ganze Pfadfindergruppe alle Plätze belegt hat und gar nicht mehr reinpasst.

Am Rifugio Sapienza (1.910 Meter) angekommen, kann man entweder die Silvestri-Krater zu Fuß erreichen (rund zehn Minuten), oder mit der Seilbahn weiter hochfahren. Wer stattdessen auf die Ätna-Nordseite will, kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch nicht hin – dafür braucht es tatsächlich ein Auto oder eine organisierte Tour.

Alternative: die Circumetnea – aber mit Umweg

Die Circumetnea, die alte Schmalspurbahn, die fast einmal um den Vulkan herumfährt, ist bei Sizilien-Kennern beliebt, weil sie durch Orte wie Adrano, Bronte oder Randazzo führt. Was viele Blogs aber nicht mehr aktuell wissen: seit dem 17. Juni 2024 ist der Bahnverkehr auf der Strecke Catania Borgo – Paternò eingestellt , wegen Bauarbeiten für die Metro-Erweiterung. Man muss also ab Catania erst mit einem Ersatzbus nach Paternò fahren, bevor man dort in die eigentliche Circumetnea nach Riposto umsteigen kann. Das ist kein Ausflug für nebenbei, sondern ein Tagesprojekt – aber eines der Landschaft wegen absolut lohnend, wenn man Zeit hat und keine Bahnfahrt zum Ätna erwartet, sondern eine Rundfahrt durch die Dörfer am Fuß des Vulkans.

Ans Meer: Playa, Ognina und die Faraglioni von Aci Trezza

Wer nicht bis Taormina fahren will, findet direkt vor der Haustür brauchbare Strände – man muss nur wissen, welcher Bus wohin fährt, denn die Liniennummern wechseln gefühlt jede Saison.

Für die Playa, den langen Sandstrand südlich der Stadt, fahren die Linien D und 534 ab Piazza Borsellino . Für die felsige Küste Richtung Norden – Ognina, San Giovanni li Cuti mit seinem schwarzen Lavastrand, direkt an der Stadt gelegen – kommt man mit den Linien 421, 534 oder 935 hin, je nach Fahrplan des Tages.

Und für Aci Trezza mit den berühmten Faraglioni, den Felsen, die Odysseus dem Zyklopen zugeschrieben werden: die Linie 534 fährt ebenfalls ab Piazza Borsellino dorthin, die Fahrt dauert etwa 40 Minuten . Was hier keiner sagt, weil es niemand erlebt, der nur eine Woche bleibt: Im Sommer fahren die Busse ungefähr im Stundentakt, an Feiertagen kann sich das aber deutlich verschieben – realistisch heißt das, man plant nicht auf die Minute, sondern nimmt ein Buch mit an die Haltestelle.

Nach Taormina: Zug schlägt Bus, außer bei einem Punkt

Hier widerspreche ich bewusst dem, was in fast jedem deutschen Sizilien-Blog steht, nämlich dass der Bus die einzig sinnvolle Option sei. Stimmt so nicht mehr. Ein Zugticket von Catania nach Taormina kostet ab etwa 6 Euro, die Fahrt dauert rund 38 bis 44 Minuten, und es verkehren etwa 29 Verbindungen am Tag – das ist ein Takt, von dem man in Deutschland bei Regionalzügen oft nur träumen kann.

Der einzige Haken: Der Bahnhof Taormina-Giardini liegt unten am Meer, nicht oben in der Altstadt. Von dort geht es entweder zu Fuß steil bergauf (eher nichts bei 35 Grad im August), mit dem örtlichen Bus, oder mit dem sogenannten Taormina Link, einer Kombiverbindung, bei der das Ticket für die Strecke vom Bahnhof ins Zentrum von Taormina 2 Euro kostet , zusätzlich zum Zugticket.

Der Bus (Interbus, Abfahrt meist im Bereich der Via D’Amico/Via Sturzo nahe dem Hauptbahnhof) hat dafür einen Vorteil, den der Zug nicht hat: Er fährt bis in die Altstadt von Taormina hoch, man muss also oben nicht noch umsteigen. Dafür ist er im Vergleich zum Zug oft nicht schneller, gerade im dichten Sommerverkehr auf der Küstenstraße. Meine ehrliche Empfehlung: Zug für die Strecke, wenn man fit genug für den Aufstieg ist oder wenig Gepäck hat; Bus, wenn man direkt oben ankommen will oder mit Koffer unterwegs ist.

Praktische Dinge, die wirklich helfen

Ein paar Gewohnheiten, die man als Ortsfremder schnell lernen sollte, damit der Tag nicht kippt:

  • Bargeld einstecken. Busse in Sizilien verkaufen Tickets oft nur beim Fahrer, nur gegen Bargeld, und passendes Wechselgeld ist keine Selbstverständlichkeit. Wer mit einem 50-Euro-Schein ankommt, bekommt manchmal ein genervtes Kopfschütteln statt Rückgeld.
  • Sonntage und Feiertage sind eine andere Welt. Viele Linien, auch die Circumetnea, fahren an Sonn- und Feiertagen seltener oder gar nicht. Wer den Ätna oder eine Bergtour für einen Sonntag plant, sollte vorher wirklich nachschauen, nicht nur davon ausgehen, dass es wie unter der Woche läuft.
  • Auf Live-Tracking-Apps nicht blind verlassen. Moovit und Co. zeigen die Linien zwar an, aber die tatsächlichen Abfahrtszeiten an kleineren Haltestellen weichen oft ab. Der Fahrplan an der Haltestelle selbst (falls vorhanden) oder eine kurze Nachfrage bei Einheimischen ist verlässlicher als das Handy.
  • Hitze mitdenken. Zwischen Juni und September lohnt es sich, Ausflüge zum Ätna oder zu Fußwegen von Bahnhöfen möglichst früh am Morgen zu starten – nicht wegen Romantik, sondern weil die Busse und Bahnsteige ohne Klimaanlage in der Mittagshitze wirklich unangenehm werden können.

Mit diesen Routen kommt man ohne Auto überraschend weit: Vulkan, Meer und Taormina sind alle machbar, man muss nur akzeptieren, dass der Rhythmus hier ein anderer ist als der eines deutschen Fahrplans – und genau das gehört für mich zu Sizilien dazu.